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Endspurt! Die letzte Etappe steht bevor und es geht vom Hrafntinnusker zu den lang ersehnten heißen Quellen von Landmannalaugar. Zunächst muss man den Pass zwischen Hrafntinnusker und Södull hinauf und erklimmt damit gleichzeitig den höchsten Punkt des Laugavegurs. Von hier aus geht es über eine steinige Ebene, vorbei am Gedenkstein für den, 2004 in einem Blizzard um’s Leben gekommenen, Wanderer, auf die Rhyolitberge von Landmannalaugar zu.

Der Rest des Weges ist ein Augenschmaus: Erst über Bergrücken bergab, an beeindruckend großen heißen Quellen vorbei und auf dem letzten Kilometer noch durch das Labyrinth des erkalteten Lavastroms vor Landmannalaugar. Und danach? Flachköpper in den Hotpot 😉


Tourenbericht

Die Nacht war wirklich alles andere als entspannend :-/ Stetiger Wind sorgte im Zelt für eine Geräuschkulisse bei der es sich nur schlecht schlafen ließ. Um 7 Uhr hatten wir dann die Nase voll, der Wind dachte nicht daran nachzulassen und uns noch etwas schlafen zu lassen, und frühstückten erstmal gemütlich im Zelt in der Hoffnung bei nachlassendem Wind das Zelt in Ruhe abbauen zu können. Daraus wurde aber nichts, stattdessen drehte er und wehte auch noch Sand in’s Innere. Also genervt im Wind abbauen, das Zähneputzen haben wir dann kurzerhand draußen erledigt, den Gestank im Waschraum wollten wir uns nicht antun und den Abwasch haben wir auch einfach mal nach Landmannalaugar verschoben.

Der Aufstieg zum Pass ist vergleichsweise kurz, das folgende Hochplateau aber ermüdend und kräftezehrend. Trotz Temperaturen über dem Nullpunkt sorgte der krasse Gegenwind für eiskalte Hände. Bei so einem Wetter an dem besagten Gedenkstein vorbeizukommen zeigt einem deutlich, dass man selbst bei bester Wetterprognose hier oben im Hochland immer für alle Wetterkapriolen gerüstet sein muss.

Am Ende der Ebene verlief der Weg dann meistens bergab (mit ein paar leichten Gegenanstiegen), was dem lädierten Knie nicht wirklich gefallen hat. Man kommt hier nochmal an einigen, beeindruckend großen, heißen Quellen vorbei. Überhaupt ist die Landschaft hier unglaublich bunt.

Tief türkisfarbene Wasserbecken der heißen Quellen, blau-gelb-rot gefärbte Bachbette, schneeweiße Altschneefelder und rostbrauner Fels – eine Augenweide.

Ca. 3 km vor Landmannalaugar kommen einem die ersten Bus- und Tagestouristen entgegen (sehr leicht an der entsprechenden „Ausrüstung“ zu erkennen 😉 ) und man weiß: Das Ziel ist nicht mehr weit. Zum krönenden Abschluss verläuft der letzte Teil des Weges durch ein wahres Labyrinth aus einem erkalteten Lavastrom vor Landmannalaugar, das immer wieder durch dampfende Löcher im Boden unterbrochen wird.

Pünktlich zur Ankunft im Camp kam dann auch wieder die Sonne raus und wir haben uns erstmal den Zeltaufbau mit tonnenweise Chips, Bier und Schokolade (abgefahrene Kombination) aus der berühmten „Mountain Mall“ versüßt, dann unseren Abwasch vom Vortag erledigt und uns dann in die Badeklamotten und mit selbigen in den Hotpot geworfen. Nach der kräftezehrenden Tour und dem kalten, windigen letzten Tag war das ein unglaubliches Gefühl.

Man liegt bei 10 Grad Aussentemperatur im 40°C warmen Hotpot und sieht über die weite Ebene von Landmannalaugar, die übervoll mit Wollgras bewachsen ist.

Das Camp „Landmannalaugar“

Das Camp in Landmannalaugar ist das krasse Gegenteil zum Camp am Hrafntinnusker. Man merkt, dass es täglich von mehreren Bussen angefahren wird und entsprechend touristisch ist es aufgebaut: Riesiges Waschhaus, riesige Zeltwiese und Hütte, „Mountain Mall“, Bergwachtstation und (jetzt kommt’s) PONYREITEN!

Die „Mountain Mall“ ist ein ausrangierter Schulbus, der zu einem kleinen Kiosk umgebaut wurde. Hier bekommt man vom Bier, über Käse und Brot bis zu Chips und Schokokeksen alles, was das Wandererherz begehrt. Die Preise sind islandtypisch hoch und hier nochmal mit einem „Hochlandaufschlag“ versehen, ist einem in dem Moment aber ehrlich gesagt auch egal 🙂 Da unsere Tour hier zu Ende war kann ich euch leider nicht sagen ob es auch Brennstoff zu kaufen gab – ich habe schlichtweg nicht nachgesehen. Laut der Homepage von Landmannalaugar (http://www.landmannalaugar.info/) gibt es aber Spiritus, Colemankartuschen und (in begrenzter Anzahl) auch Campingazkartuschen. Wobei mir jetzt nicht klar ist ob es das in der Mall oder beim Warden gibt, aber ihr könnt ja nachfragen…

Aufgrund der schieren Größe des Camps vermutet man, dass es nachts etwas lauter ist, aber offensichtlich sind alle Wanderer (egal ob sie „nur“ Tagestouren unternehmen, den Laugavegur vor sich haben oder ihn hinter sich haben) abends so müde, dass es wirklich totenstill ist.

Rückfahrt

Da unser Bus erst um 14 Uhr nach Reykjavik starten sollte haben wir uns noch etwas die Zeit in Landmannalaugar vertrieben. Auf eine kurze Tagestour hatten wir keine Lust und haben deswegen das Zelt noch etwas vom Hrafntinnusker-Staub befreit, uns nochmal in den Hotpot gesetzt und danach auf einer Bank in der Sonne entspannt und die Schafe beim Klettern beobachtet 😉

Sich ein paar Stunden in Landmannalaugar zu vertreiben ist wirklich kein Problem!

Die Fahrt zurück nach Reykjavik dauert gute 4 – 4,5 Stunden, verlängert sich aber proportional mit der Anzahl an Trampern, die der Bus auf dem Weg noch einsammelt 😉 Wir sind mit Reykjavik Excursions zurückgefahren und haben das Ticket direkt beim Fahrer kaufen können. Schön, dass man hier nicht vorbuchen muss und dann evtl. Stress auf dem Trek hat, weil man einen nötigen Ruhetag dann doch nicht machen kann. Unterwegs hält der Bus einige Male an (u.a. Sellfoss und Hella) und fährt in Reykjavik auch den Campingplatz (als letzte Station) an.

Informationen

Strecke10,7 km
Aufstieg500 m
Abstieg900 m
Gehzeit (inkl. Pausen)04:30 h

GPS-Track bei outdooractive.com

Hrafntinnusker: N63° 55.993′ W19° 10.082′
Landmannalaugar: N63° 59.453′ W19° 03.566′

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