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Die Etappe von Langidalur nach Emstrur kann man, wie im letzten Post schon beschrieben, natürlich auch direkt von Basar aus gehen, wenn man sich fit fühlt. 17,5 km und um die 850 Höhenmeter Aufstieg wollen bis nach Emstrur bewältigt werden – uns war der Ruhetag zuvor also sehr recht.
Zunächst führt unser Track durch lichten Buchenwald in Richtung der Höhle Snorrariki, die es sich definitiv zu besuchen lohnt. Hier führen Holzwege, -plattformen und –treppen an den Felsen entlang durch das Wäldchen – eine sehr schöne, idyllische Passage des Laugavegur.
Nachdem man den Wald verlassen hat muss man die Pröngá furten und dann langsam an Höhe gewinnen. Auf dem Weg bis Emstrur begleitet einen dann einen Großteil der Anblick des Einhyrningur, ein Berg, der verblüffende Ähnlichkeit mit einem Einhorn hat.
Kurz vor dem Camp kommt man in das Tal des Markarfljót. Die schmale Schlucht überquert man über eine kleine Brücke und direkt dahinter beginnt der letzte Steilhang vor dem Camp. Das erste Stück ist mit Fixseilen gesichert (und wirklich steil), danach flacht es etwas ab, bleibt aber weiterhin steil und „geröllig“. Nach einem weiteren, flachen, Kilometer erreicht man dann das Camp Emstrur.


Tourenbericht

Die Nacht in Langidalur war klar, windstill und entsprechend kalt. Nachts kann es in Island wirklich extrem abkühlen, auch wenn man tagsüber beim Aufstieg zum Valahnukur noch geschwitzt hat wie verrückt. Dafür begrüßte uns der Morgen aber wieder mit blauem Himmel. Es dauert zwar immer ein paar Stunden bis sich alles (inklusive uns) wieder aufgeheizt hat, insgesamt waren wir aber einfach nur froh, dass wir bisher meist ohne Regen unterwegs waren.

Der Weg vom Camp bis zur Furt der Pröngá ist wunderschön idyllisch, führt durch lichten Buchenwald und teilweise über Holzstege, -treppen und –plattformen, vorbei an der Höhle Snorrariki (die wohl früher mal ein Schmugglerversteck war). Furchtlose Trekker können die 3-4 Meter in die Höhle klettern (und hier übrigens einen Geocache finden), wir wollten die Weiterwanderung dann doch lieber nicht gefährden und haben uns das Ganze nur von unten angesehen.

Das Furten der Pröngá ist natürlich wieder ganz von der Wassermenge abhängig, die sie führt. In unserem Fall war es zum Glück wieder sehr wenig Wasser, sodass das breite Flussbett nur durch ein paar wenige kleine Bäche geteilt wurde. Einer davon war dann allerdings doch so tief, dass wir die Stiefel ausziehen mussten. Für die Furten hatten wir übrigens Trekkingsandalen mit fester Sohle und Neoprensocken dabei, was eine super Kombination ist. Leider sind die Sandalen aber auch relativ schwer – für die paar Furten hätten es vielleicht auch die Neoprensocken selbst getan.

Im folgenden Verlauf der Etappe haben wir uns auf einer Ebene erstmal zwischen große Felsen verzogen und eine schnelle Tütensuppe als Mittagssnack zubereitet. Ich finde eine kleine warme Mahlzeit ist immer ein zusätzlicher Motivationsschub und man kann sich mal etwas mehr ausruhen, die Zeit dazu hat man auf den Etappen (ausser auf der ersten von Skógar nach Basar) auf jeden Fall. Ab jetzt begleitet einen auch der Berg „Einhyrningur“ auf dem Weg. Ein wirklich interessant geformter Palagonitrücken in Form eines Einhorns. Während ich bei manch anderen Gesteinsformationen erst nach eingehender Analyse die Form erkenne, die Einheimische seit Jahrtausenden darin sehen, ist es beim Einhyrningur wirklich offensichtlich 😉

Das Wetter war uns den ganzen Tag über wohlgesonnen und die Sonne platzte uns nur so auf die Köpfe. Aufgrund des leichten Windes und der vergleichsweise niedrigen Temperaturen, nahm man die Sonneneinstrahlung aber gar nicht so wahr – ganz abgesehen davon, dass wir eh keine Sonnencreme dabei hatten (wer rechnet auf Island auch schon damit?!?). Die Rache folgte dann Abends im Camp: Sonnenbrand auf den Ohren…

Bis dahin war es aber noch ein gutes Stück, etwa bei der Hälfte hatten wir unsere kleine Mittagspause gemacht. Auf der folgenden, weiten Ebene hatte man durchgehend einen guten Blick auf das „Einhorn“, bevor es auf einem kurzen Abstieg in die Schlucht des Markarfljót ging. Ein reißender Gletscherfluss durch ein enges Tal – ein beeindruckender Anblick.

Beim Überqueren der Schlucht hilft hier eine massive Brücke, die einen auf die andere Seite bringt. Und hier geht es dann gleich lustig zur Sache: Ein steiler Anstieg muss hochgekraxelt werden. Fixseile helfen einem zwar dabei, durch den schweren Rucksack werden aber auch leichte Kraxelstellen schnell zu einem Balanceakt. Hat man das versicherte Stück überwunden wird es zwar technisch etwas leichter, dafür aber nicht wirklich flacher. Es geht weiter steil durch ein lockeres Schuttfeld hinauf und man hat das Gefühl, dass man bei jedem Schritt mindestens zwei Schritte zurück rutscht.

Hat man aber auch den Anstieg hinter sich gebracht trennt einen nur noch ein weiterer, flacher, Kilometer vom Camp Emstrur.

Das Camp „Emstrur“

Das Camp Emstrur ist terrassenförmig angelegt. Aus Süd-Nord-Richtung trifft man zuerst auf die ersten Zeltplätze, die leicht unterhalb der Hütte liegen. Mit großen Tunnelzelten hat man hier teilweise schon Probleme einen geeigneten Stellplatz zu finden. Eine hölzerne Treppe führt dann hinauf zur Hütte des Warden, dem Sanitärgebäude und weiteren Zeltplätzen.

Das großzügige Sanitärgebäude bot wieder Waschplätze, Toiletten und heiße Duschen (letztere gegen Gebühr). Hier mussten wir das erste Mal zum Duschen anstehen, was zum einen daran lag, dass deutlich mehr los war als an den anderen Plätzen und zum anderen daran, dass eine Dusche defekt war.

Die kleine Hütte des Warden bot diesmal leider keinen Shop, dazu war das Camp auch zu sehr ausserhalb. Langidalur war ja noch relativ easy auch mit Bussen zu erreichen, Emstrur dann wirklich nur noch mit dem Offroader. Dafür war hier die Zahlung mit Kreditkarte (per Imprinter) möglich. Das haben wir auch gleich genutzt, denn zum einen habe ich noch nie so gezahlt und zum anderen ist es immer gut die Bargeldreserven auf so einer Tour zu schonen.

Informationen

Strecke17,5 km
Aufstieg860 m
Abstieg620 m
Gehzeit (inkl. Pausen)08:00 h

GPS-Track bei outdooractive.com

Langidalur: N63° 41.066′ W19° 30.804′
Emstrur: N63° 45.971′ W19° 22.418′

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