Test: The Honey Stove Ti

Hobokocher in Betrieb

Der The Honey Stove Ti fand Ende 2015 seinen Weg in unsere Rucksäcke, nachdem wir vor hatten unser Kochequipment etwas abzuspecken. Das Angebot eines gebrauchten Honey Stoves in der Titanversion kam da gerade recht. Bis dahin waren wir immer mit dem kompletten Trangia-Set inkl. einem Vargo Titanium Hobo unterwegs. Letzterer war leider nicht mit dem Spiritusbrenner kompatibel (er hat schlichtweg nicht reingepasst), der Honey Stove sollte das ändern: Ein Hobokocher mit der Option ihn mit dem Trangia-Brenner als Spirituskocher zu verwenden und gleichzeitig Gewicht zu sparen.

The Honey Stove Ti

Beim Honey Stove handelt es sich um einen 6-eckigen Hobo-Kocher, der gleichzeitig Esbit (nicht so ungewöhnlich für Hobos) verbrennen kann und den Trangia-Brenner für Spiritus und Gas aufnehmen kann. Der Kocher wird zusammengesteckt (nicht gefaltet) und ist dementsprechend sehr flach im Packmaß. Wer ihn nur als Windschutz für einen Spiritus-Brenner benutzen will kann auf 2 Seitenteile und die große Bodenplatte verzichten und eine verkleinerte (und nochmal leichtere) 4-seitige Variante mit auf Tour nehmen.

Den Honey Stove kann man bei backpackinglight.co.uk für 74,99 £ in der leichten Titan-Version kaufen oder man nimmt die etwas schwerer Variante aus Edelstahl für 38,99 £. Allerdings verhält sich das Gewicht ziemlich genau antiproportional zum Preis: Die Titan-Version wird mit 161 Gramm angegeben (genau Gewichte weiter unten im Bericht), die Edelstahl-Version mit 362 Gramm. Im Folgenden beziehen wir uns nur auf die Titan-Variante.


Lieferumfang & Verarbeitung

Der Honey Stove wird mit folgenden Teilen geliefert:

5 Seitenteile
1 Frontteil mit großer Öffnung zum Nachlegen
1 Bodenplatte groß (für 6 Seitenteile)
1 Bodenplatt klein (für 4 Seitenteile)
1 Grillrost
1 Halteplatte für Spiritusbrenner
1 Transporttasche

Gewichte

Folgende Gewichte wurden auf der Küchenwaage ermittelt:

6 Seiten + Bodenplatte (groß): 120 g
4 Seiten + Bodenplatte (klein): 69 g
Halteplatte für Spiritusbrenner: 7 g
Grillrost: 34 g
Topfkreuz (aus Edelstahl statt Ti): 35 g
Tasche: 18 g

Im Vergleich dazu wiegt der Windschutz des Trangia 322 g.

Selbst wenn man den kompletten Honey Stove mitnimmt kommt man so auf 108 g Gewichtsersparnis. In der Regel kann man aber mindestens den Grillrost, das Topfkreuz und die Halteplatte für den Spiritusbrenner daheimlassen und spart 184 g Gewicht. Klingt nicht viel, aber wenn wir bei jedem Ausrüstungsteil gute 200 g Gewicht sparen könnten wären wir bald ohne Gepäck unterwegs 😉

Verarbeitung

Alle Teile des Honey Stoves sind sehr ordentlich verarbeitet. Es gibt nirgends scharfe Kanten oder unsauber gefertigte Teile. Das 0,5 mm dicke Titanblech wirkt allerdings ziemlich filigran und man hat schon etwas Angst um die dünnen Dinger. Sie sind aber robuster als erwartet, lediglich im Betrieb als Hobokocher mit ordentlicher Beladung wird das Gerät heiß und verzieht sich leicht.

In der Praxis merkt man dann aber nichts davon, lediglich beim Zusammenbau muss die Bleche eventuell etwas zurechtbiegen, damit sie perfekt in einander greifen.

Erfahrungen

Was muss mit auf Tour?

Der Honey Stove bietet mit der kleinen Bodenplatte die Möglichkeit nur 4 Seitenteile mit zu nehmen und so nochmal gut Gewicht zu sparen. Will man den Kocher mit einem Spiritusbrenner betreiben reicht das in der Regel auch voll und ganz aus. Der Spiritusbrenner passt von der Größe her rein und der einzige Vorteil, den der 6-seitige Aufbau hätte wäre die etwas höhere Standfestigkeit. In dem 4-seitigen Aufbau kann man den Honey Stove außerdem mit Esbit-Trockenbrennstoff befeuern, eine Nutzung als klassischer Hobo-Kocher mit Holz-Befeuerung macht aber aufgrund der kleinen Brennkammer keinen Sinn.

Normalerweise haben wir 6 Seitenteile plus Bodenplatte dabei, verzichten aber auf die Halteplatte für den Spiritusbrenner, den Grillrost und das Topfkreuz. Den Spiritusbrenner kann man auch einfach auf die Bodenplatte stellen und den Grillrost braucht man eh nur zum „Grillen“. Wenn man Töpfe mit einem Durchmesser > 12 cm hat benötigt man kein Topfkreuz, da man den Topf dann einfach auf den Rand des Honey Stoves stellen kann. Für Töpfe < 12 cm kann man auch einfach zwei Heringe durch irgendwelche Löcher in den Seitenteilen stecken – die hat man i.d.R. ja eh dabei. Zusammenbau

Die Seitenteile werden in einander geschoben, jeweils abwechselnd von unten und oben. Dabei wird die vordere Feuertür als letztes montiert, wobei man darauf achten sollte, dass diese dann von unten eingesetzt wird (die vorherigen Teile muss man also entsprechend ausrichten).

Am besten montiert man zuerst alle 5 Seitenteile, setzt dann die Bodenplatte in der gewünschten Höhe ein. Dabei wählen wir immer die 2. Position von unten. Im Spiritusbetrieb hat man so einen optimalen Abstand zwischen Brenner und Topf, wenn man den Brenner direkt auf die Bodenplatte stellt, und beim Verbrennen von Holz schützt man den Boden etwas mehr durch den größeren Abstand.

Der 4-seitige Aufbau ist etwas weniger „fummelig“, da man hier nur 3 Seitenteile zur Bodenplatte ausrichten muss. Dafür muss man hier aber, je nachdem welchen Spiritusbrenner man benutzt, etwas “biegen”, denn wirklich perfekt passt er in den kleinen Brennraum nicht rein. Insgesamt ergeben sich aber einige verschiedene Aufbauvarianten, je nachdem wie man den Kocher einsetzen will.

Nackte Zahlen

Wir haben drei Setups getestet und mit ihnen jeweils 0,5 l kaltes Wasser bei leichtem Wind und -3°C in demselben Topf-/Deckel-Setup zum Kochen gebracht. Dabei habe ich den Spiritus immer erst vorgeheizt und den Topf erst drauf gestellt, als der Brenner volle Leistung hatte. Beim Test mit Holz habe ich ebenfalls gut eingeheizt und dann nur noch ein wenig nachgelegt.

Kochertest

Der originale Trangia-Windschutz mit Trangia-Spiritusbrenner (als Referenz) brauchte dafür 06:30 Minuten. Der Honey Stove Ti mit Trangia-Brenner auf dem Bodenblech (vorletzte Position) brachte das Wasser sogar effektiver nach 05:30 Minuten zum Kochen und der Honey Stove mit Holzbefeuerung war nach ordentlichem Anfeuern natürlich am schnellsten und brachte das Wasser nach 04:30 Minuten zum Kochen.
Dem Windschutz des Trangia muss man zugutehalten, dass es nur wenig windig war, ich denke er wird seine Stärken bei richtig viel Wind gegen den Honey Stove ausspielen können. In der Praxis ist aber doch eher so, dass man bei wirklich starkem Wind in einer windstillen Ecke oder gar dem Vorzelt kocht.

Kochen mit Holz

Auf Tour haben wir den Honey Stove bisher immer mit einem Spiritus Brenner betrieben, die Kochversuche mit Holz beschränkten sich auf Tests bei uns im Garten 😉
Insgesamt brennt der Kocher sehr gut mit Holz und verschlingt dabei auch dickere Stückchen. Ein „richtiger“ Hobokocher ist es aber irgendwie auch nicht, dazu ist der Kamineffekt einfach nicht ausgeprägt genug. Wenn man aber nicht für eine ganze Truppe kochen will ist das auch irrelevant. Im Test hat der Honey Stove 500ml in 4:30 Minuten zum Kochen gebracht und das ohne groß nachzulegen – er entwickelt also auch ohne viel Kamineffekt ausreichend Hitze. Insgesamt hat er dabei knapp eine Hand voll Anzündholz verbrannt.

Natürlich verbrennt ein Kocher mit ordentlichem Kamineffekt gerade etwas feuchtes Holz deutlich besser und rauchfreier, aber zumindest mit dem richtig trockenen Anzündholz lief der Honey Stove auch so rauchfrei.

Die vordere Feuertür ist dabei groß genug um Holz nachzulegen, wenn man wirklich mal ein sperriges Stück hat kann man es auch von oben (Topf kurz abnehmen) zuführen.

Wir versuchen grundsätzlich beim Kochen mit Holz den Kocher auf einen Stein oder ähnliches zu stellen, ganz nach dem „leave-no-trace-Prinzip“. Denn selbst, wenn die Bodenplatte in der zweiten Position ist, ist der Abstand zum Boden nicht groß genug um diesen ausreichend zu schützen.

Kochen mit Spiritus

Wie bereits gesagt kann man die Halteplatte für den Spiritusbrenner getrost zu Hause lassen. Einfach die Bodenplatte in die zweite Position von unten einhängen und schon hat man eine optimale Position.

Wie der obige Test bewiesen hat ist der Honey Stove in dieser Konfiguration bei relativer Windstille sogar effektiver als der Trangia-Windschutz. Wenn der Wind stärker wird spielt der Trangia sicherlich seine Stärken aus – in dem Fall kochen wir aber eh im Vorzelt oder wenigstens in einem windgeschützten Eckchen.

Im Grunde genommen steht der Honey Stove in dem Fall dem Trangia in nichts nach, man könnte höchstens noch anmerken, dass der Topf im Trangia natürlich deutlich stabiler steht als auf dem Honey Stove, in der Praxis gab es hier aber noch keinerlei Probleme.

Kochen mit Esbit

Mit Esbit haben wir bisher kaum Erfahrungen gesammelt, auch im Honey Stove haben wir bisher noch nicht mit Esbit gekocht. Man kann aber definitiv sagen, dass er sich auch als Esbit-Kocher eignet, denn die Bodenplatte kann auch hier wieder in der richtigen Höhen angebracht werden.

Fazit

Auch wenn der Honey Stove kein „richtiger“ Hobokocher ist, so ist es für uns in erster Linie eine deutlich gewichtssparende Alternative zum Trangia-Windschutz, die nicht weniger effektiv arbeitet und gleichzeitig noch die Möglichkeit bietet mit Holz oder Esbit zu kochen. Der einzige Minuspunkt gegenüber dem Trangia, dass die ganze Konstruktion inkl. Topf deutlich höher baut und natürlich nicht ganz so standfest ist, ist auch eher theoretischer Natur.

Der Zusammenbau ist etwas „fummelig“, mit der Zeit hat man den Dreh aber raus. Auch wenn sich die Bleche bei großer Hitze etwas verzogen haben kann man ihn noch einfach zusammenbauen.

Der Preis für die Titanversion ist fair, die günstigere Edelstahlvariante ist aber natürlich auch eine Überlegung wert. Da wir den Kocher gebraucht ergattern konnten war der Preis für die Edelversion aber definitiv vertretbar.

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