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Keeskogel
Keeskogel

Am nächsten Morgen schliefen wir etwas länger als die Großvenediger-Aspiranten, die bereits um 3:45 Uhr aus den Betten geklingelt wurden. Wir hatten ja eine deutlich kürzere Tour geplant (trotz des Abstiegs am selben Tag), standen um 6 Uhr auf und brachen, nach einem durchwachsenen Frühstück, um kurz nach 7 auf in Richtung Keeskogel. Von der Hütte aus folgt man zunächst dem Normalweg in Richtung Keeskogel und verlässt diesen, gerade als er sich in Richtung Gipfel dreht, geradeaus in Richtung Gletscher.

Durch leicht verblocktes Gelände geht es, ein paar Gletscherabflüsse querend, auf den Einstieg zu. Einige Fußspuren auf dem Gletscher deuteten darauf hin, dass man ihn auf deutlich weiter vorne betreten kann und dann quasi am Fuße des Keeskogels zum Grat geht. Wir entschieden uns für den anderen Weg und kreuzten den Gletscher quasi mittig. Wir hatten auch ein wenig Glück: Unser Weg endete genau dort, wo man den Gletscher easy betreten konnte.

Hier war auch Platz um Steigeisen anzulegen, sich anzuseilen und den Pickel hervorzuholen. Im unteren Bereich war der Gletscher zu dieser Zeit aper und insgesamt steiler als im weiteren Verlauf. Ebenfalls im unteren Bereich befanden sich die einzigen, kleinen, Spalten, die man alle gut sehen und ebenso gut übersteigen oder umgehen konnte. Im weiteren Verlauf wurde der Gletscher zunächst flacher, war dafür aber mit kräftezehrendem, sulzigem Schnee bedeckt. Den Übergang auf den Grat kann man bereits von unten sehr gut erkennen, eine Scharte ist noch fast komplett vom Gletscher bedeckt und bietet den perfekten Übergang. Bevor man aber auf den Grat kam wurde der Gletscher nochmal richtig steil und sulzig, die letzten Meter waren enorm kräftezehrend.

Der Übergang war dann, wegen nicht vorhandener Randkluft, wieder einfach zu bewerkstelligen und man fand in dem Bereich auch ein Plätzchen um die Gletscherausrüstung wieder gegen das Fels-Setup zu tauschen.

Apropos Fels-Setup: Wir gingen den Grat am kurzen Seil ohne weitere Zwischensicherungen. Es gab immer wieder ausreichend große Blöcke um die man das Seil legen konnte. Für den geforderten Schwierigkeitsgrad sollte das ausreichend sein. Es gab natürlich eh keine Bohrhaken, ein paar Friends kann man evtl. legen – haben wir drauf verzichtet. Sinn machen Friends vielleicht an den zwei Schlüsselstellen, wir können euch aber nicht mehr mit Sicherheit sagen ob man dort welche legen konnte.

Von der Scharte aus hat man den gesamten Grat im Blick: Ein schöner Blockgrat, der zum Ende hin steiler und schwieriger zu werden scheint. Lasst euch davon nicht verunsichern: Gerade der letzte Bereich ist deutlich leichter zu klettern als es von hier unten aussieht.

Zu Beginn ist der Grat relativ flach, ein paar größere Blöcke müssen aber bereits überklettert werden. Das spielt sich zwar größtenteils im (oberen) zweiten Grad ab, in Bergstiefeln ist es aber doch nochmal eine andere Nummer als in Reibungskletterschuhen – besonders wenn es (wie bei uns) die erste Hochtour ist. Bevor es in den oberen, vermeintlich steileren, Bereich geht mussten wir an zwei großen Blöcken (die erwähnten Schlüsselstellen) dann doch mal kurz überlegen wie man am besten darüber kommt, die beste aller zukünftigen Ehefrauen fand dann aber beide Male den besten Weg – den sie dann aber doch lieber nicht vorsteigen wollte 😉

Gipfel im Blick

Wie bereits erwähnt: Der folgende Teil sieht von unten schwerer aus als er am Ende ist. Ganz im Gegenteil: Hier herrschte fast schon wieder Gehgelände und die Schwierigkeit bestand nicht im Klettern sondern darin auf dem erdigen, losen Boden nicht aus zu rutschen. Nach wenigen Metern war man dann schon ungefähr auf Niveau des Gipfels und musste noch ca. 100 Meter auf großen Blöcken balancieren um zum Gipfelkreuz zu kommen.

Nach dem obligatorischen Eintrag im Gipfelbuch hat man hier wieder ein wenig Platz um etwas windgeschützt eine Brotzeit einzulegen und das Equipment wieder im Rucksack zu verstauen – für den Abstieg über den Normalweg zur Hütte benötigt man (je nach Gusto) nur ein paar Stöcke.

Dennoch ist der Abstieg nicht zu unterschätzen: Der Normalweg ist ähnlich verblockt wie der Grat, man kann halt nur nicht abstürzen. Deswegen zieht sich der Weg zurück zur Hütte auch eine halbe Ewigkeit hin. Der Weg ist allerdings gut markiert und man muss sich nicht noch auf die Wegfindung konzentrieren.

Zurück an der Hütte hat man dann die Möglichkeit noch eine Nacht dort zu verbringen oder, nach einer kleinen Stärkung, direkt in den Abstieg zurück zum Hopffeldboden zu starten. Wir entschieden uns für letzteres…

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