Der Reintalersee bei Kramsach bietet sich bei sonnigem Wetter für einen Badeausflug an. Damit sich das Baden aber auch lohnt kann man sich den See zuvor aus luftiger Höhe vom Reintalersee Klettersteig ansehen – das war unser Plan.

Der Klettersteig bietet auf 1 – 1,5 Stunden Schwierigkeiten bis „C/D“ bzw. „E“, wenn man die Sportvariante wählt. Somit ist er nicht unbedingt für blutige Einsteiger geeignet, eignet sich dafür aber besonders für unterschiedlich starke Klettersteiggeher. Während sich die starken Geher in der Mitte des Steigs in der Sportvariante austoben, gehen die schwächeren außen herum und müssen dabei nur eine kurze C/D-Stelle überwinden.

Ausrüstung

Zur Standard-Ausrüstung am Klettersteig gehören für uns in jedem Fall:

– Helm
– Klettersteigset
– Rastschlinge mit Schraubkarabiner
– Rucksack mit Handy, Rettungsdecke, Müsliriegel und Getränk

Aufgrund der südlichen Ausrichtung des Steigs hat man dauerhaft die Sonne in Rücken und Nacken: Wer hier also empfindlich ist sollte zumindest ein Shirt anziehen, das die Schultern bedeckt und eventuell auch einen Sonnenschutz für den Nacken mitnehmen. Außerdem sollte man hier an warmen Tagen lieber etwas mehr zu trinken mitnehmen als zu wenig 😉

Parken

Im Bereich des Reintalersees gibt es ausreichend Parkplätze. Von Kramsach kommend sollte man allerdings die ersten Parkplätze links liegen lassen – das verkürzt den Zustieg enorm.

Soweit wir das richtig in Erinnerung haben waren alle Parkplätze kostenpflichtig und an warmen Tagen extrem stark frequentiert.

Zustieg

Vom hintersten Parkplatz aus ist der Zustieg zum Einstieg des Klettersteigs in 20 Minuten erledigt, wenn man stramm marschiert. Der Weg ist allerdings sehr steil und unwegsam und es schadet nicht sich noch ein paar Körner für den Steig selbst aufzuheben und etwas entspannter hinauf zu gehen – bis zum Einstieg überwindet man gut 200 Höhenmeter.

Außerdem verlängert sich der Zustieg noch entsprechend, wenn man kurz vor dem Anseilplatz erst einmal rechts abbiegt und einen Abstecher zum nahe gelegenen Wasserfall macht. Der kurze Abstecher lohnt sich (vor allem natürlich an heißen Tagen), hier ist es angenehm frisch und man kann nahe an den Wasserfall heran gehen.

Klettersteig

Reintalersee

Reintalersee

Am Einstieg stand ausreichend Platz und eine Bank zur Verfügung um in Ruhe den Gurt, Helm und Klettersteigset anzulegen bevor es direkt in den Steig geht.

Der Einstieg wartet gleich mit einer der insgesamt drei C/D-Stellen auf – wer also hier schon Probleme hat sollte besser wieder an Abstieg antreten. Insgesamt ist der Steig zwar meist deutlich leichter, es folgen aber noch zwei Stellen im gleichen Schwierigkeitsgrad, die mit zunehmender Ermüdung nicht einfacher werden.

Nach der schwierigen Einstiegsstelle ging es im Anschluß auf ein Felsband, das die Wand quert und uns zu einer steilen Rampe („C“) führt. Kurz darauf, also ungefähr nach ¼ des Steigs, folgt die Abzweigung zum Sportklettersteig, die uns linker Hand in das schwierige Stück des Steigs führt. Hier trennten sich auch unsere Wege: die bessere Hälfte ging den normalen Steig weiter, ich wollte mich am Sportsteig versuchen. Von der normalen Variante hat man auch einen tollen Ausblick auf die leicht überhängende Wand der Sportvariante und kann gut beobachten, wie sich die anderen dort abrackern.

Der Sportsteig ist sehr, sehr trittarm und nur ganz vereinzelt mit Klammern versehen. Nach einer kurzen Querung geht es in das erste Steilstück mit einer langen, kraftraubenden E-Stelle. Kurz darauf folgt eine weitere kurze Querung: Hier habe ich dann die Rastschlinge genutzt um die Hände, die doch sehr schnell von dem dünnen Stahlseil ermüdeten, zu entspannen.
Das folgende Stück ist ein kleines bisschen leichter, der Ausstieg wiederrum vergleichsweise einfach („D“). Trotzdem hatte ich am Ende am Ausstieg die meisten Probleme, denn der Fels war noch vom Regen der Vortage nass und ein kleines Rinnsal floss genau über die Felsteile, die ich mir als Tritte auserkoren hatte 😉 Hier ist man aber schon sehr nah an der Stelle, an der sich die beiden Steige wieder vereinen, die Kollegen könnten also tatsächlich von oben sichern.

Der Ausstieg aus der Sportvariante mündet auf einem breiten Felsband und trifft dort wieder auf die normale Variante. Ein paar Schritte weiter findet sich auch ein Rastplatz mit dem Steigbuch, sodass man seine „Heldentat“ erstmal sacken lassen kann.

Alles in Allem war die Sportvariante eigentlich ein reines Kraftspiel für Hände und Arme. Aufgrund der überhängenden Wand hatte man natürlich ordentlich „Luft unter’m Hintern“, was wirklich genial war. Meiner Meinung nach sind die meisten Steige in „E“ oder höher aber nicht DIE klettertechnische Erfüllung sondern beschränken sich meist darauf die Kraft des Gehers zu testen. Nichts desto trotz war das Stück lohnenswert – nicht zuletzt wegen des Ausblicks nach unten auf den See.

Das letzte Stück des Steigs bis zur Platte am Ausstieg war nochmal sehr schön, wenn auch weiterhin sehr trittarm. Je weiter es nach oben ging, desto weniger ausgesetzt war die ganze Geschichte, dennoch wurde der Ausblick auf den See im Tal mit jedem gewonnenen Höhenmeter schöner.
Die Plattenquerung vor der letzten Rampe zum Ausstieg hatte es nochmal in sich. Die Platte ist an sich schon sehr glatt, der Regen der letzten Tage hat dann dafür gesorgt, dass sie, klatschnass wie sie war, noch weniger Halt bot.

Gipfelkreuz

Gipfelkreuz

Hier war also nochmal die volle Aufmerksamkeit gefragt bevor es dann über eine letzte kleine Rampe („C“) zum „Gipfelkreuz“ ging.

Hier steht eine schöne Große Bank bereit um sich zu erholen, das Equipment wieder im Rucksack zu verstauen und eine kleine Brotzeit einzulegen bevor es an den Abstieg geht.

Ausblick auf den Reintalersee

Ausblick auf den Reintalersee

Den Markierungen folgend geht es zum nahen Waldweg über den es dann zurück ins Tal Richtung Kramsach geht. Im Tal kommt man auf der Bundesstraße raus und folgt dieser dann zurück zum Parkplatz oder (noch besser!) legt vorher noch einen Erfrichungsstop am Reintalersee ein.

Im Abstieg geht man auch durch ein Gebiet in dem etwas Vorsicht geboten ist, da dort häufiger Steinschläge ins Tal gehen. Es ist ziemlich beeindruckend zu sehen was für eine Schneise der Verwüstung vereinzelte Steinschläge hier hinterlassen haben – dennoch waren wir in dem Bereich einen Schritt schneller unterwegs 😉

Fazit

Der Klettersteig am Reintaler See ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Der Fels ist noch nicht zu sehr abgespeckt, was sich aber vermutlich ändern wird, denn der Steig ist sehr beliebt (auch wenn er bei unserem Besuch nur sehr wenig besucht war). Das Stahlseil ist straff gespannt, es gibt keine lockeren Anker, Stifte oder Klammern. Apropos Anker: Es wurden neuartige Seilanker verbaut an denen der Karabiner nicht mehr so leicht hängen bleibt – vor allem in den steilen Stücken der Sportvariante ein echtes Plus an Komfort.

Informationen

Zustieg 00:30 h
Zeit im Steig 02:45 h
Abstieg 01:00 h
Höhenmeter im Steig 210 m
Höhenmeter gesamt 450 m

GPS-Track bei outdooractive.com

Infos und Topo bei bergsteigen.com

Was noch bleibt…

Plant eure Tour nicht allein aufgrund unserer Schilderung. Eine aktuelle Karte, Wetterbericht und die Infos von etwaigen Hüttenwarten sollten immer in die Planung mit einbezogen werden.
Ihr bewegt euch in alpinem Gelände seid nicht zu leichtfertig, denn eine Tour war nur dann erfolgreich, wenn ihr gesund nach Hause ankommt.

Reintalersee

Reintalersee