Im Sommerurlaub 2016 sollte unsere erste Mehrseillängen-Kletterei auf dem Programm stehen. Wir waren zum Klettern am Walchsee und suchten die einschlägigen Onlineportale nach einer möglichst einfachen (und wenig materialintensiven) Mehrseillänge ab – fündig wurden wir bei der Mehrseillänge „Pipifax“ in den Loferer Steinbergen.

Route

Die Route liegt in den Loferer Steinbergen, nur wenige Gehminuten von der Schmidt-Zabierow-Hütte entfernt. Das bedeutet in erster Linie eines: Ein langer, kraftraubender Zustieg (wenn man nicht gerade auf der Hütte genächtigt hat). Etwa 2,5 Stunden benötigt man vom Parkplatz zur Hütte, von dort ist man in 10 Minuten am Einstieg.


Die Route bietet 170 Klettermeter in einer zerfressenen Wasserrillenplatte, aufgeteilt auf 7 Seillängen. Die maximale Schwierigkeit liegt im 4. Grad UIAA, bis auf eine Stelle geht es aber nicht über 3+ hinaus.

Ausrüstung

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

– Kletterausrüstung (Helm, Gurt, Schuhe, Sicherungsgerät)
– 9 Expresssets
– 1×50 m Einfachseil
– Bandschlingen
– Karabiner

Für Routen in diesem Schwierigkeitsgrad benötigt man vermutlich nicht unbedingt Reibungskletterschuhe – sie schaden aber auch nicht. Wir sind (aus Mangel an Halbseilen) mit einem 50m-Einfachseil gegangen. Da man aus der Route nach oben aussteigt (und nicht abseilt) und es nur wenig loses Gestein in der Route gibt war das auch ausreichend – grundsätzlich würden wir aber mittlerweile in eine Mehrseillänge immer 2 Halbseile mitnehmen.
9 Expresssets reichen aus (mehr Bohrhaken gibt es nicht pro Seillänge), Friends kann man sich sparen und Klemmkeile muss man nur mitnehmen, wenn man den Umgang damit üben will – es gibt ausreichend Bohrhaken in der gesamten Route.
Bandschlingen und Karabiner für den Standplatzbau sollten in ausreichender Zahl mitgenommen werden (bis auf einen Stand, der dafür aber zusätzlich eine dicke Sanduhr bot, waren alle mit 2 Bohrhaken versehen).

Parken

Durch das Loferer Hochtal, vorbei am ehemaligen (?) Munitionslager, erreicht man den Parkplatz „Loferer Hochtal“, der Ausgangspunkt der Tour.

Wir sind uns nicht mehr sicher ob der Parkplatz kostenpflichtig war oder nicht – sorry 🙁

Zustieg

Der Parkplatz im Loferer Hochtal liegt auf knapp unter 800 Höhenmetern, die Schmidt-Zabierow-Hütte auf knapp unter 2.000, bis zum Einstieg hatten wir also schon ordentlich was vor uns. Der Weg führt anfangs noch durch einen Wald, die Baumgrenze ist aber relativ schnell erreicht und lässt den Blick über das Tal schweifen.

Der Weg ist durchgehend anspruchsvoll und steil. Trittsicherheit ist hier also schon im Zustieg gefragt. Besonders nach Erreichen der Baumgrenze wird der Zustieg zu einem besseren Geröllfeld – mehr nicht. Mit der gesamten Ausrüstung auf dem Rücken ist es durchaus anspruchsvoll hier zu gehen.

Nach 2:45 Stunden haben wir dann schließlich die Hütte erreicht und uns trennten nur noch 10 Minuten vom Einstieg von „Pipifax“. Dazu folgt man dem Steig „613“ in Richtung Wehrgrubenjoch und zweigt ca. 150 Meter nach der Hütte nach rechts ab.

Pipifax

Blick auf die Route

Bereits am Einstieg sieht man beeindruckenden, von Wasserrillen zerfressenen, Fels mit Löchern und scharfen Kanten, ein toller Anblick.

In der 1. Seillänge geht es zunächst leicht im 2. Grad nach oben bevor man sich kurz vor dem Ende über eine fast senkrechte (bis dahin ist der Fels sehr stark geneigt und einfach zu klettern) Wasserrillenplatte schwingen muss (3+). Kurz darauf befindet sich bereits der erste Stand.

Querung in der 2. SL

Die 2. Seillänge ist etwas anspruchsvoller (3) und hat ihre Schlüsselstelle (eine etwas heikle Platte auf der man mit den feuchten Sohlen nicht so einfach Halt findet) kurz bevor sie in einer aussichtsreichen Querung über zwei Spalten am Stand endet.

Feuchte Sohlen? Ja, feuchte Sohlen. Die gesamte Route ist hier und da aufgrund der vielen Löcher und Risse mit etwas Dreck und Grünzeug versehen, das hier oben nur schwer trocknet. So holt man sich immer mal wieder feuchte Sohlen, die bei der angesagten Plattenkletterei nicht unbedingt hilfreich sind.

Die 3. Und 4. Seillänge waren dann wieder ähnlich der ersten: Plattige Kletterei, Wasserrinnen queren und am Ende über eine Kante (jeweils 3+) auf’s nächste Band.

Nach der 4. Seillänge folgte ein kurzes Gehstück (was im Topo als 5. Seillänge gekennzeichnet ist), das uns zum Einstieg in die 6. Seillänge führte. Hier kann man kurz rasten, das Gelände bietet es an, und sich auf die nun folgende Schlüsselstelle der Route vorbereiten.

Ausstiegsplatte

Zu Beginn der 6. Seillänge will zunächst eine kleine „Wulst“ überklettert werden bevor man auf der bisher griffärmsten und steilsten Platte zum Ausstieg klettert. Wer beim Einstieg nochmal penibel auf’s Topo schaut hat und etwas voraus: Nämlich zu wissen, dass man den ersten Bohrhaken rechts umklettern muss – und nicht links. Letzteres ist nämlich deutlich schwieriger und definitiv keine 4+ 🙂
Der folgende Plattenpfeiler ist nochmal ein krönender Abschluss der Tour und endet auf einem breiten Felsband (letzter Stand).

Nachdem die bessere Hälfte nachgestiegen war gönnten wir uns hier oben erstmal eine ausgiebige Brotzeit (schließlich waren wir schon gut 6 Stunden unterwegs). Obwohl noch eine Seillänge folgt sollte man hier bereits die Ausrüstung verstauen – das Gelände ist hier deutlich angenehmer als nach der Ausstiegswand. Außerdem halten die letzten 10 Meter eh keine Bohrhaken mehr bereit.

Abstieg

Nach dem Ausstieg aus der Route kraxelt man zunächst nach Norden durch das Geröllfeld und zweigt nach ca. 150 Metern nach Osten ab um auf den Steig 601/612 zu gelangen und von dort zurück Richtung Hütte zu gehen. Ein kühles Bier auf der Hütte blieb uns verwehrt, da wir erst um 16 Uhr aus der Route ausstiegen.

Eingang zur Höhle

Der Abstiegsweg ist der selbe, den man auch im Zustieg gegangen ist – wir sind allerdings nach ca. 1/3 des Abstiegs noch zu einer Höhle abgebogen. Vom Ausstieg aus der Route bis zum Parkplatz (inkl. Besuch der Höhle) waren wir 3:00 Stunden im Abstieg unterwegs. Ohne Zwischenstopp ist man natürlich zügiger (2:30 Stunden schätzungsweise) unterwegs. Der Weg ist aber auch im Abstieg anspruchsvoll und vor allem die Kraxelei vom Ausstieg zurück zum Weg ist hier ein Zeitfresser.

Schmidt-Zabierow-Hütte

Wie gesagt blieb uns das kühle Bier auf der Hütte leider verwehr, weil wir morgens mal wieder zu spät losgekommen sind 🙂

Die Hütte ist von Mitte Juni bis Anfang Oktober geöffnet und bietet 22 Betten in Mehrbettzimmern und 42 im Lager. Für Frühstück und Abendessen ist natürlich gesorgt – nur am Internet hapert es (zum Glück), sodass eine Reservierung während der Saison sicherheitshalber telefonisch getätigt werden sollte.

http://www.schmidt-zabierow.at
Zuschauer

Fazit

Die Mehrseillänge Pipifax ist eine lohnende Wasserrillenkletterei und besonders für die erste Mehrseillänge sehr zu empfehlen. Im Bereich der Schmidt-Zabierow-Hütte gibt es allerdings viele lohnende Wände und Kletterrouten, sodass es sich (vor allem wegen des beschwerlichen Zustiegs) lohnt 1 oder 2 Nächste auf der Hütte zu übernachten.

Informationen

Zustieg02:45 h
Kletterzeit02:00 h
Abstieg02:30 h
Höhenmeter im Steig1.300 m
Strecke12,0 km

GPS-Track bei outdooractive.com

Infos und Topo bei bergsteigen.com

Parkplatz Loferer Hochtal: N47° 33.828′ E12° 40.321′
Schmidt-Zabierow-Hütte: N47° 33.044′ E12° 38.779′
Einstieg (ungefähr): N47° 33.019′ E12° 38.578′
Höhle: N47° 33.306′ E12° 39.124′

Was noch bleibt…

Plant eure Tour nicht allein aufgrund unserer Schilderung. Eine aktuelle Karte, Wetterbericht und die Infos von etwaigen Hüttenwarten sollten immer in die Planung mit einbezogen werden.
Ihr bewegt euch in alpinem Gelände seid nicht zu leichtfertig, denn eine Tour war nur dann erfolgreich, wenn ihr gesund nach Hause ankommt.