Blick auf die Schlucht und Castello
Blick auf die Schlucht und Castello

Bei brütender Hitze in Arco am Gardasee bietet sich ein Klettersteig ganz besonders an: Die via ferrata rio sallagoni durch die Schlucht des gleichnamigen Flusses hinauf zum Castel Drena. Der Klettersteig verläuft durchgehend in einer engen, schattigen und kühlen Schlucht und ist daher besonders bei Hitze zu empfehlen – dann aber auch entsprechend hoch frequentiert.

Ausrüstung

Zur Standard-Ausrüstung am Klettersteig gehören für uns in jedem Fall:

– Helm
– Klettersteigset
– Rastschlinge mit Schraubkarabiner
– Rucksack mit Handy, Rettungsdecke, Müsliriegel und Getränk

Aufgrund der Lage in einer schattigen und kühlen Schlucht und der kurzen Länge der gesamten Tour muss man natürlich keine 3 Liter Wasser pro Person mitnehmen. Die Felsen und Trittstifte im Steig können allerdings nass und rutschig sein, das sollte man bei der Schuhwahl beachten und vielleicht nicht unbedingt in Joggingschuhen einsteigen 🙂


Parken

Geparkt werden kann an der Straße SP84 zwischen Drau und Drena in der Nähe eines Schießstand/Sportplatz. Das Parken war kostenfrei, der Parkplatz aber nicht unendlich groß.

Zustieg

Der kürzeste Zustieg unseres Urlaubs: Vom Parkplatz der Straße bergab zurück Richtung Drau folgen und in der Kurve links auf einen Feldweg abbiegen.

In wenigen Minuten hat man den Anseilplatz erreicht (man kann den Gurt eigentlich auch schon am Parkplatz anlegen) und sieht bereits den Eingang der Schlucht. Insgesamt ist man vom Parkplatz in maximal 15 Minuten am Einstieg.

via ferrata rio sallagoni

Querung
Querung

Der Eingang zur Schlucht ist schon beeindruckend: Nur wenige Meter breit, dafür umso höher. Der rio sallagoni hat sich hier tief ins Gestein gearbeitet. Der erste Teil des Steigs beginnt an der linken Schluchtwand, zunächst steil, aber immer gut mit Trittstiften ausgestattet. Das Seil hängt für Erwachsene teilweise etwas tief, sodass man sich nicht bequem daran halten kann. Nach einem ersten Klemmblock hat man die Möglichkeit über eine seilversicherte Leiter aus dem Steig auszusteigen. Wer bis hierhin (durchgehend Schwierigkeit „B“) schon Probleme hat, sollte dies auch nutzen, danach folgen die Schlüsselstellen („C“).

Unter einem großen Klemmblock muss man mit einem Spreizschritt die Schluchtseite wechseln (ja, sie ist hier wirklich so schmal, dass das kein Problem darstellt) und quert nun auf der rechten Seite in „B/C“, aber immer mit guten Trittklammern versehen, die Schlucht bis man in einen offenen Schluchtbereich kommt.

Dreiseilbrücke
Dreiseilbrücke

Hier befindet sich die erste der zwei Seilbrücken: eine Dreiseilbrücke verbindet die linke Schluchtseite mit der rechten.

Wer die Seilbrücke lieber links liegen lassen möchte kann auch gleich am rechten Rand in Gehgelände aufsteigen. Die Brücke ist allerdings sehr gut gespannt und mit Schwierigkeit „A/B“ gut geeignet um sich an Seilbrücken zu gewöhnen.

Durch eine beeindruckende Felsspalte geht es weiter im Gehgelände zur zweiten Seilbrücke, die wieder rechts umgangen werden kann. Eine kurze „B“-Stelle führt zur Seilbrücke, die dann wieder die linke mit der rechten Schluchtseite verbindet.

Ab hier beginnt der Spaß
Ab hier beginnt der Spaß

Nach wenigen Metern Gehgelände kommt, an einer Holzbrücke, die kritische Abzweigung. Das Castello ist hier nach links ausgeschildert – dabei handelt es sich aber um einen Fußweg zum Castello. Der zweite Teil des Klettersteigs beginnt, wenn man sich hier rechts hält. Der zweite Teil hat nur am Ende eine Seilsicherung, davor ist der Steig seilfrei und nur mit Stiften und Klammern gesichert. Man bewegt sich in dem Teil aber immer nur knapp über dem Boden – schlimme Stürze sind also ausgeschlossen.

Wir können jedem nur empfehlen den zweiten Teil zu machen, hier wird es nämlich erst richtig abenteuerlich und nass 🙂

Im 2. Teil des Steigs
Im 2. Teil des Steigs

Folgt man den blauen Markierungen rechts haltend gelangt man über kurzes Gehgelände wieder an den Fluss, der hier aber eher an einen größeren Bach erinnert. Ab hier geht es ohne Seilsicherung, teils über Trittklammern und – stifte, teils über große Findlinge und teils einfach durch den Bach, hinauf Richtung Castello. Nasse Füße bleiben hier nicht aus und die polierten Felsen vertragen sich nicht mit den nassen Sohlen – spätestens hier ist Vorsicht geboten. Wie erwähnt kann man hier nicht tief stürzen, aber in einem Bachbett voller großer Kiesel umzuknicken ist dem Verlauf des Urlaubs auch nicht gerade zuträglich…

Der zweite Teil der ferrata erinnert eher an eine Canyoning-Tour in falscher Richtung, als an einen Klettersteig und ist für Kinder sicherlich ein Heidenspaß.

Die letzten paar Meter zum Ausstieg sind dann wieder mit einem kurzen Seil versichert und man erreicht nach wenigen Höhenmetern den Ausstieg zwischen ein paar Feldern, unweit des Castellos. Ab hier brennt die Sonne auch wieder unerbittlich vom Himmel und man wünscht sich in die kühle Schlucht zurück 🙂

Abstieg

Abstieg
Abstieg

Vom Ausstieg geht es in wenigen Gehminuten zum Fuß des Castel Drena, wo man vor dem eigentlichen Abstieg noch eine kurze Besichtigung einschieben kann.

Der eigentliche Abstieg führt uns relativ steil zwischen den Serpentinen der SP84 hinab. Man muss ein paar Mal die Straße überqueren, bevor man nach ca. 40 Minuten zurück am Parkplatz ist.

Castel Drena

Castel Drena
Castel Drena

Das Castel Drena wird in allen Reiseführern gelobt und eine Besichtigung angepriesen. Wir sind ehrlich: Im Nachhinein hätten wir uns für die 3 EUR Eintritt pro Person im nahen Café lieber ein Eis gekauft. Das Castello ist wirklich gut restauriert, andernorts zahlt man dafür aber deutlich weniger Eintritt. Das winzige Burgmuseum wäre interessant gewesen, wenn die Schautafeln und Beschriftungen der Funde nicht ausschließlich in Italienisch gewesen wären.

Was sich allerdings lohnt ist der Ausblick vom Turm:

Informationen

Zustieg00:15 h
Zeit im Steig01:45 h
Abstieg00:40 h
Höhenmeter200 m

GPS-Track bei outdooractive.com

Infos und Topo bei bergsteigen.com

Parkplatz: N45° 58.298′ E10° 56.022′
Anseilplatz: N45° 58.214′ E10° 56.039′
Ausstiegsmöglichkeit: N45° 58.202′ E10° 56.077′
Castel Drena: N45° 58.196′ E10° 56.365′

Was noch bleibt…

Plant eure Tour nicht allein aufgrund unserer Schilderung. Eine aktuelle Karte, Wetterbericht und die Infos von etwaigen Hüttenwarten sollten immer in die Planung mit einbezogen werden.
Ihr bewegt euch in alpinem Gelände seid nicht zu leichtfertig, denn eine Tour war nur dann erfolgreich, wenn ihr gesund nach Hause ankommt.