Arco ohne eine Mehrseillänge zu verlassen geht gar nicht… Also ging es für uns an einem unserer letzten Tage zur Mehrseillänge „La via bellezza della venere“ in der Nähe von Dro. Zu unserer letzten Mehrseillänge „Pipifax“ (Link) im Loferer Hochtal wollten wir uns natürlich etwas steigern, die Eckdaten der Route passten also: 375 Klettermeter, 9 Seillängen, UIAA 4+.

Route

Die „venere“ liegt unweit von Dro und ist, für eine Mehrseillänge im 4. Grad, recht gut abgesichert. An jedem Standplatz findet man 2 Bohrhaken (oder einen Bohrhaken und eine armdicke Sanduhr), die Zwischensicherungen sind dabei schon fast überschwemmt von Sanduhren – so viele Exen hat man sonst fast nicht dabei 🙂


375 Klettermeter verteilen sich auf 9 Seillängen, die maximale Schwierigkeit liegt bei 4+ (UIAA). Der mittlere Teil (4. Und 5. SL) ist fast durchgehend 4+, die Schlüsselstelle liegt unserer Meinung nach aber in der Querung am Ende der 8. Seillänge (4).

Je nach Wetter ist es sinnvoll die Wand erst am frühen Nachmittag anzusteuern um nicht in der prallen Sonne klettern zu müssen.

Ausrüstung

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

– Kletterausrüstung (Helm, Gurt, Schuhe, Sicherungsgerät)
– Mind. 8 Expresssets
– 60 m Einfachseil
– Bandschlingen
– Karabiner

Die längste Seillänge ist 60 Meter lang. Will man sich die Möglichkeit eines Rückzugs durch Abseilen offen halten benötigt man 2x60m Halb- oder Zwillingsseil. Wir gehen Mehrseillängen grundsätzlich nur noch mit Halbseilen, sie bieten einfach ein Plus an (Ausfall-)Sicherheit.

8 Expresssets sind das Minimum, wenn man alle, im Topo eingezeichneten, Zwischensicherungen klippen will. Zusätzlich benötigt man natürlich noch entsprechendes Material für den Standplatzbau, wobei zu bedenken ist, dass man am Ende der 8. Seillänge einen Stand an einem Baum bauen muss (ausreichend Bandschlingen nicht vergessen).

Anfahrt/Parken

Von Riva del Garda fährt man zunächst Richtung Arco, fährt aber auf der Staatsstraße am Ort vorbei bis man 2-3 Kilometer später Dro erreicht. Dort kann man direkt auf dem großen Parkplatz am Sportplatz (auf der anderen Seite der Sarca an der „via Cesare Battisti“) kostenlos parken.

Zustieg

Zustieg
Zustieg

Der Zustieg hat zwei Seiten: Zu Beginn ist er wunderschön – gute Feldwege durch einen sonnigen, mediterranen Olivenhain, wirklich wunderschön. Am Ende geht es allerdings mühsam und steil auf den letzten Metern zum Einstieg der Route, den man nach 20-30 Minuten erreicht.

Den Einstieg zu finden ist relativ einfach, der Pfad ist ausgetreten und zusätzlich ist der Einstieg noch mit dem Routenname „venere“ in blau markiert.

La via bellezza della venere

Blick in die 1. SL
Blick in die 1. SL

Die erste Seillänge ist zum warmwerden: Extrem flache und gestufte Wand, maximal 3+, dafür aber 60 Klettermeter.

Dabei gibt es gleich mal ein Problem, das man vorher mit seinem Partner besprechen sollte: Durch den oftmals starken Wind an der Wand kommen bei 60 Meter Seillängen einfach keine Seilkommandos mehr beim Partner an und der Sichtkontakt ist auch nicht mehr gegeben.

Die ersten 3 Seillängen sind durchweg zum warmwerden und wieder etwas Routine in Seilmanagement und Standplatzbau zu kriegen. Bis hierhin fühlte sich die Kletterei auch etwas leichter an als im Topo angegeben.

Am Ende der vierten Seillänge wartet eine schöne Verschneidung mit der ersten 4+ – Stelle auf uns. Diese ließ sich wirklich sehr schön klettern – nur fand ich den eingezeichneten Standplatz nicht und musste an einer dicken Sanduhr Stand machen. Wie es öfters bei leichten Mehrseillängen ist: Durch das gestufte Gelände ist das Sturzgelände unter einem meist nicht das beste. So auch hier: Direkt unter der Verschneidung befindet sich ein breites Band auf das man nur ungern stürzen möchte. Beim Weiterklettern fand ich dann auch den richtigen Stand. Etwas unsicher ob unser 60 Meter Seil für die folgende fünfte Seillänge (55 Meter) reichen würde, machten wir hier nochmal kurz Zwischenstand und stiegen erst dann in die fünfte Länge ein.

In der 5. Seillänge
In der 5. Seillänge

Die Plattenquerung in der fünfte Seillänge war wirklich sehr schön zu klettern, es war nur der Kopf gefragt. 10 Meter über der letzten Zwischensicherung (den Hake aus dem Topo gab es nicht mehr) macht der Kopf aus einer 4+ (bei ausreichend Luft unter’m Ar***) ganz schnell eine unschaffbare 9+ 🙂

Nach der Platte gab es Sanduhren en masse und eine sehr schöne, luftige Kletterei entlang an Rissen, die auch mal das Platzieren eines Klemmkeils zuließen. Insgesamt kann man sagen, dass die fünfte Seillänge das Highlight der gesamten Kletterei ist.

Wenn man von den langen Runouts (2 bzw. 3 Haken auf gut 30 Metern) absieht boten die beiden kurzen Seillängen 6 und 7 keine großartigen Highlights oder Schwierigkeiten, lediglich die Verschneidung zu Beginn der siebten Länge war nochmal etwas fordernd (4+).

Unsere Alptraum-Seillänge war dann die achte! 47 Klettermeter und nur 3 Zwischensicherungen – zum Glück lag die letzte aber kurz vor meiner Schlüsselstelle. Wir waren zu dem Zeitpunkt schon gut 2,5 Stunden in der Wand und schon etwas ausgelaugt. Und so brauchte ich eine gefühlte Ewigkeit bis ich die Abschlussquerung der Seillänge schaffte. Obwohl die Stelle nur mit einer glatten 4 bewertet war hing ich hier einfach fest… Wie es aber immer so ist: Am Ende ist der Zug leichter als man denkt und ich konnte zum vorletzten Standplatz an einem Baum queren um dort den verdienten Stand zu bauen.

Je nachdem ob man die letzte Seillänge jetzt frei oder technisch klettern will ist die Querung zu Beginn entweder mit A0 (dazu einfach an die Exe greifen) oder 5+ bewertet. Nach dem traumatischen Erlebnis in der vorherigen Querung entschied ich mich für die A0-Variante – es sei mir verziehen.

Gipfelbuch
Gipfelbuch

Am Ausstieg wehte uns ein Wind um die Ohren, dass wir die Kletterschuhe sichern mussten – sonst hätten wir sie in der Route suchen können.

Statt der angegebenen 2-3 Stunden brauchten wir für die Kletterei 3:45 Stunden, was aber auch unserer fehlenden Routine (es war unsere zweite Mehrseillänge) geschuldet ist.

Castel Drena
Castel Drena

Abstieg

Nach dem obligatorischen Eintrag im Gipfelbuch folgte der Abstieg, während es schon anfing zu dämmern. Zunächst folgt man dazu weglos den Markierungen und Steinmännchen bis man auf den Steig trifft, der zurück ins Tal führt. Im Abstieg sollte man weiterhin aufmerksam sein: Der Pfad ist zwar teils gesichert, aber sehr schmal, steil und wird immer mal wieder durch Treppen unterbrochen.

Kurz bevor man auf den Aufstiegsweg trifft, kommt man noch an einer kleinen Madonna vorbei und ist wenige Minuten später zurück am Parkplatz.

Fazit

Madonna
Madonna

Die „via la bellezza della venere“ ist eine schöne Einsteiger-Mehrseillänge, mit tollen Ausblicken ins Sarca-Tal. Für eine solch leichte Route ist sie vergleichsweise gut abgesichert, aufgrund der vielen Querungen ist der Seilverlauf aber oftmals mühselig und man hat viel Zug am Seil.

Im Sommer sollte man die Wand erst am frühen Nachmittag angehen, dabei aber auch die Länge der Route im Auge behalten, damit man nicht im schwierigen Abstieg in die Dunkelheit gerät.

Informationen

Zustieg00:30 h
Kletterzeit03:45 h
Abstieg00:45 h
Klettermeter375 m
Seillängen9
Schwierigkeit (UIAA)4+

Infos und Topo bei bergsteigen.com

Parkplatz: N45° 58.083′ E10° 54.860′
Einstieg (ungefähr): N45° 58.488′ E10° 54.916′